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Chevrolet Silverado 2500HD

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MAGAZIN: LESER TEST

Testbericht
Chevrolet Silverado 2500HD (Duramax 6600 Diesel)
( OFF Road Juli 2001 Gerhard Bieber Germany)

Mit dem Einsatz des Duramax-6600-Diesels beweist Chevrolet, dass dem Heavy-Duty-Silverado neben großvolumigen V8-Benzinern auch moderne Common-Rail-Technik gut steht. Luxus, Leistung, lange Hälse: ein Pick-up aus einer völlig anderen Welt.
Die Szene erinnert an den Steven-Spielberg-Film "Duell". Eine Mittelklasse-Limousine jagt eine Landstraßen Steigung hinauf, dicht gefolgt von einem schwarzen Truck. So sehr sich der Vordermann auch bemüht und seinem Fahrzeug alles abverlangt, das Ungetüm im Rückspiegel lässt sich nicht abschütteln – es wird sogar immer größer. Der kleine Unterschied zum Film von 1971: Der Truck ist kein Tanklastzug, sondern entstammt der aktuellen Pick-up-Baureihe Silverado/Sierra aus dem Hause Chevrolet/General Motors.

Neuartige Klänge wummern aus dem armdicken Auspuffrohr, das unverschämt geradlinig unter der Ladepritsche hervorlugt. Quell des hämmernden Geräusches und Ursache für die Schweißperlen des verfolgten Pkw-Lenkers ist das Dura-max-6600-Dieseltriebwerk. In den USA haben sich bereits Fanclubs gebildet, die sich nur diesem von Isuzu gefertigten Motor verschrieben haben. Alleine die bloßen Zahlen sprechen für Vortrieb in allen Lebenslagen: 6599 Kubikzentimeter Hubraum verteilt auf zwei mal vier Zylinder, die – im rechten Winkel zueinander stehend – schon bei 1800 Umdrehungen 705 Nm auf die Kurbelwelle stemmen und bei Bedarf die Leistung von 300 Rössern mobilisieren. Diese Werte sind nur ein Teil des 379-Kilogramm-Diesels.

Rund sechsmal nimmt der Anlasser hochfrequent Schwung, um den Selbstzünder zu beleben. Akkurat wie eine Nähmaschine nagelt der V8-Diesel selbst bei Minusgraden. Ist die Betriebstemperatur erreicht, vernimmt man von der Arbeitsweise des Selbstzünders recht wenig. Satt und kraftvoll tönt es aus dem Vorbau. Ein Verdienst des hochmodernen Common-Rail-Einspritzers von Bosch, das jedem Zylinder den Lebenssaft mit bis zu 1350 bar aus einer für alle Brennräume gemeinsamen Leitung zuführt. Die erste zaghafte Berührung des Gaspedals lässt das Wummern unter der Haube anschwellen, ein energischer Tritt aufs Fahrpedal und die grobstolligen Gummiwalzen rotieren Traktion suchend. Wie ein Spielzeug setzt der Duramanx-6600 die Drei-Tonnen-Fuhre in Bewegung und quittiert jede Veränderung der Gaspedalstellung je nach Wunsch mit vornehmer Zurückhaltung oder brachialem Antrieb.


Immer mit von der Partie ist das leise Pfeifen des Turboladers, das sich unter den kraftvollen Klang des Selbstzünders mischt. Die Zwangsbeatmung verhilft dem Diesel zu beinahe spritzigem Ansprechverhalten. Schnell ist die 3200-er-Marke erreicht und die Automatik wechselt weich in die nächste Fahrstufe. In den roten Beriech, der an der 3500er-Markierung beginnt, wagt sich die Drehzahlnadel unter normalen Umständen nie hinein, der Begrenzer setzt dem Vortrieb bei 3250 Touren ein Ende. In Serie wird die Heavy-Duty-Ausführung des 2500er-Siverado mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe von ZF ausgeliefert. Ungleich besser passt jedoch die Fünfgang-Automatik von Allison zu diesem Chevy. Mit dem Lagen Wahlhebel am Lenkrad kommt echter "American way of drive" auf: Zu Beginn der Reise den Hebel von P nach D ziehen und am Ziel wieder zurück. Auf jede weitere Schaltarbeit sollte man verzichten, denn die Präzision der Schaltkulisse lässt sehr zu wünschen übrig. Ein äußerst praktischer Knopf befindet sich griffgünstig am Ende des Hebels und soll den Betreib mit schweren Hängern schonender gestalten: die "Tow-Haul"-Funktion. Ist sie aktiviert, arbeitet die Automatik weniger über den Wandler, schaltet später und nutzt vermehrt die Überragende Motorbremswirkung. Eine durchaus gerechtfertigte Einrichtung, denn die vier Tonnen, die der Chevy in Deutschland ziehen darf, sind kaum mit den Lasten, für die er in den USA zugelassen ist, vergleichbar: Als Sattelzugmaschine schleppt er dort über sieben Tonnen. Hierzulande eignet sich der kleine Knopf sehr gut, um bei langen Bergabpassagen die Betriebsbremse zu entlasten, um sanft verzögernd auf die Ampel zuzurollen oder um dem Klagen des aufheulenden Diesels zu lauschen.



Um nicht nur auf befestigten Straßen gut voranzukommen, sondern auch schlechte Wege mit hoher Anhängelast bewältigen zu können, wird der Heavy-Duty-Pick-up mit einem einfach zu bedienenden Allradsystem ausgestattet. Drei graue Tasten regeln die Umsetzung der Antriebskräfte: "2H" für Heckantrieb, der besonders bei engen Manövern auf normalen Straßen klar im Vorteil ist, in Stufe "4H" wird der Vorderachsenantrieb starr zugeschaltet. Der Silverado sperrt sich dann gegen jede Art von engen Kurven und Rangiervorgängen. Sogar einen Geländereduktion (4L) steht zur Verfügung. Mit einem Reduktionsfaktor von 1:2,71 macht sie die lange Achsübersetzung wett.

Im Gegensatz zum vergleichbaren Benzinmodell mit dem 340 PS starken Vortec-8100-Triebwerk ist die Duramax-Diesel-Version nur mit der langen 3,73er-Achse lieferbar – die 4,10er bleibt dem Benziner vorbehalten. Besonders negativ wirkt sich dies nicht einmal beim Verbrauch aus. Mit rund 16 Liter Diesel auf 100 Kilometer kommt man bei etwas zurückhaltender Fahrweise gut um die Runden. Liegen viel Stadtverkehr oder Autobahnetappen jenseits der Richtgeschwindigkeiten an, steigt der Verbrauch aber deutlich in Richtung der 20-er-Liter-Marke.


Beinahe verwunderlich, wie wenig sich die deutliche Unterforderung des Arbeitsgeräts hierzulande bemerkbar macht. Die Vorderachse liegt satt und sicher auf der Straße, bügelt alle Unebenheiten mit der Gelassenheit eines Containerfrachters mit leichtem Seegang glatt und bietet zudem einen ansehnlichen Federungskomfort – kein Kunststück bei fast 1,9 Tonnen, die auf ihr lasten. Etwas schwerer tut sich die Hinterachse. Sie trägt zwar auch noch beachtliche 1,3 Tonnen, zur maximal zulässigen Achslast von 2760 Kilogramm ist es aber noch ein weiter Weg. So hinterlässt sie in unbeladenem Zustand einen etwas bockigen Eindruck. Jedes zusätzliche Kilogramm auf der Ladefläche dient dem Fahrkomfort. Theoretisch dürfte der 2500HD mit Doppelkabine und kurzer Ladepritsche 1670 kg zuladen, dann jedoch überschreitet er die deutsche 3,5-Tonnen-Grenze und müsste mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 80 leben. Wer sich mit der lächerlichen Zuladung von 320 Kilogramm zufrieden gibt, bekommt dafür Fahrspaß pur.

Man sollte immer eine Kleinbildkamera mit sich führen, um die verdutzten Gesichter abzulichten, die dem schwarzen Monster auf der linken Spur hinterher blicken. Ob bergauf oder bergab, der Siverado prescht mit 170 Sachen über die Autobahn. Schlappe 2900 Touren dreht das Kraftpaket unter der Haube, wenn die Elektronik dem Vortrieb Einhalt gebietet. Daran könnte sich aber noch was ändern: Importeur Geiger arbeitet an einer Aufhebung der elektronischen Kastration: Eine um knapp 20 km/h höhere Endgeschwindigkeit ist zumindest theoretisch machbar. Im Münchner Betrieb des US-Importeurs wird der Chevy auch zum optischen Leckerbissen gemacht. Die Serienbereifung im Format 245/75 R16 weicht mächtigen 295/75 R16 BF-Goodrich-All-Terrain-Reifen, die sich mit Alufelgen der Extraklasse sehen lassen können. Eine Anhängerkupplung für vier Tonnen, die sehr straff zu spannende Ladeflächenabdeckung und die phänomenale Multimedia-Ausstattung im Inneren kommen zusätzlich zum Basispreis von rund 130000 Mark auf weitere 25000 Mark.

Die Doppelkabine des Amis kann es wahrlich mit einer Luxuslimousine aufnehmen.

Die noble LT-Ausstattung verwähnt mit Lederbezügen, elektrischer Sitzverstellung, Sitzheizung, Klimaautomatik und Cupholdern im Überfluss: sechs Stück an der Zahl – bei lediglich fünf Sitzplätzen Das senkrecht stehende Lenkrad macht die Eingewöhnung leicht: Trotz seines langen Radstands fährt sich der Silverado nahezu wie ein Pkw. Lediglich auf nasser Straße gilt es, bedachtsam mit der Leistung umzugehen. Das im Extremfall zum Überholen ansetzenden Heck kündigt sich kaum an: Wenn die Straßenführung plötzlich nicht mehr mit der vorher gewählten Fahrlinie übereinstimmt, sollte man schleunigst der recht indirekten Lenkung gegensteuern. Glücklicherweise hilft der lange Radstand beim Abfangen. Wilde Drifts sind für ein Fahrzeug in der Dimension eines Lkw einfach nicht schicklich.

Doch trotz seines Nutzwerts bietet der Doppelkabinen-Truck auch in der zweiten Sitzreihe enorm viel Platz. Ablagen finden sich allerorts im Überfluss und die breite Mittelkonsole mit ihrem riesigen Staufach dient der Armada an Fernbedienungen als Ablageplatz. Vier Stück sind es für Radio, CD-Wechsler, Navigationsgerät und Videorekorder. Auf dem ausfahrbaren Bildschirm des Alpine-Radios erfolgt nicht nur die Abstimmung von Radio und CD-Player, die Fernseh-Nachrichten machen sich hier ebenso gut wie ein spannender Film – am liebsten natürlich "Duell" von Steven Spielberg.

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